“Historisches Lernen goes mobile” – Überlegungen zu einer Didaktik mobilen Geschichtslernen (Teil 2.1)

By Beitrags von Daniel Bernsen und Alexander König | September 28, 2012

Annäherung an den Begriff (historischer) “Lernort” im mobilen Geschichtslernen

“Lernort” ist nicht nur in der geschichtsdidaktischen Diskussion eine höchst schwammiger Begriff, der eine Präzisierung benötigt. Nach Demantowsky (in: Handro/Schönemann, Hg., 2008, 149) wird der historische Lernort hier nicht metaphorisch, sondern als “realer, topographischer Ort” verstanden. Es gilt Modi zu bestimmen, die aus dem Verhältnis des jeweiligen Orte zum Lernenden und zum Lernprozess folgen. Demantowsky unterscheidet historische Lernorte in seiner Typologie nach den Qualität der Orte in Bezug auf ihren geschichtskulturellen Charakter: den gegenwärtigen und vergangenen Umgang mit ihnen, sowie nach Veränderungen an den Orten selbst. Er postuliert dabei, dass für die Geschichtdidaktik und den Geschichtsunterricht Überreste an sich nicht interessant seien, sondern nur als “geschichtskulturelle Traditionen” (ebd., 155).

Die Nutzung digitaler Endgeräte kann die Orte historischen Lernens erweitern. Auch Überreste, also nicht-intentional überlieferte Relikte aus der Vergangenheit, werden als Orte mobilen Geschichtslernens interessant, weil sie durch zusätzliche Materialien, Quellen und Darstellungen (Fotos, Pläne, Briefe etc.) angereichert und damit “lesbar” gemacht werden können. An, mit und durch Medien werden sie in ihrem Gehalt für historische Lernprozesse dechiffrierbar, so dass sie prinzipiell auch “historischen Laien” zugänglich werden. Für die Vorbereitung und das Anstoßen von Lernprozessen ist dabei das Verhältnis von topographischem Ort und digitalem Endgerät in Beziehung zum Geschichtslernen zu bestimmen. Es macht vor dem Hintergrund des zugrunde gelegten relationen Verständnisses historischen Lernens durchaus Sinn, sowohl den Ort als auch das Endgerät mit seinen unterschiedlichsten Funktionen als Medien zu bestimmen. Mobiles Geschichtslernen wird in dieser medialen Dopplung der Reflexion zugänglich.

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